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Rosen in der Heilkunde


Brigitte Buser

Rosen wussten viele der alten Kulturen als Heilpflanze zu schätzen. Ihre kühlende, zusammenziehende Wirkung sowie ihre heilenden und lindernden Kräfte sind seit der Antike sehr beliebt.

Rosenwasser, später auch Rosenöl wurde in der ägyptischen, ayurvedischen und in der arabischen Medizin eingesetzt. Man nimmt an, dass die Chinesen weit vor uns mit den heilenden Wirkstoffen der Rose vertraut waren. Aber auch in der griechischen, römischen und mittelalterlichen Heilkunde wurde sie zur Linderung unterschiedlichster Leiden angewendet. Grundstoffe wie Rosenblütenblätter, Rosenblätter, Rosenwurzelrinde, Hagebutten, Hagebuttensamen und Schlafäpfel kamen in vielerlei medizinischen Zubereitungen zum Einsatz. Wegen ihres lieblichen und erquickenden Duftes geschätzt, zählte sie zu den vier herzstärkenden Blumen und war ein beliebtes Heilmittel bei Entzündungen der Augen, Ohren und des Mundes aber auch bei Magen-, Kopf- und Zahnschmerzen.

Die Römer räumten den Rosen eine besonders grosse Bedeutung als Aphrodisiakum ein. Ihr Duft betörte die Sinne und wirkte anregend. Nach Gelagen wurden die dröhnenden Köpfe mit Rosenkränzen gekühlt. Plinius der Ältere beschrieb mehr als 32 Krankheiten, bei denen die Rose zur Heilung eingesetzt wurde.


Rosa canina
Rosa canina
 

Unter anderem empfahl er auch den Schlafapfel (Rosengalle) der Hundsrose gegen Kahlköpfigkeit. Aus Blättern, Wurzeln, Blüten und Früchten stellten antike Ärzte und heilkundige Klosterbrüder Salben, Säfte, Tinkturen, Sirupe sowie das geschätzte Aqua Rosarum (Rosenwasser) her. Römischen Legionären haben wir es zu verdanken, dass die wenigen damals existierenden Rosen, wahrscheinlich heimische Wildformen und Formen der Rosa gallica und Rosa alba, Richtung Norden über die Alpen in ihre Provinzen und Protektorate gelangten. Karl der Grosse (742 - 814) trug wesentlich dazu bei, dass die Rose in kaiserlichen und klösterlichen Apotheker- und Küchengärten als Nutzpflanze kultiviert wurde. Im Mittelalter wurde R. gallica 'Officinalis', zu deutsch Apothekerrose, vor allem rund um die Stadt Provins in der Nähe von Paris grosszügig für medizinische Zwecke angepflanzt und erlebte damals ihre Hochblüte. Seitdem trägt sie auch den Namen Provinsrose. Ihre grosse und allgemeine Verbreitung zu dieser Zeit führte dazu, dass sie auf Grund ihrer Wirkungen bei Krankheiten, Schlafstörungen oder seelischem Leid eingesetzt wurde. Einem Rezept zu Folge sollen bei Schlafstörungen sowie seelischem Leid erwärmte Rosenblätter auf die Stirn gelegt bewirken, dass der Geplagte zur Ruhe und Schlaf komme. Bei Schlaflosigkeit wurden Rosengallen unters Kopfkissen gelegt.

Rosengalle
Rosengalle

Anfang des 16. Jahrhunderts wurde schwangeren Frauen geraten, einen Monat vor der Niederkunft Sitzbäder zu nehmen, den Leib zu salben und Räucherzusätze ins Feuer zu geben, damit sich die Gebärmutter öffnet, um dem Geruch zu folgen. Auch hierfür wurden Rosen verwendet.

Im 17. Jahrhundert bestand jede dritte Medizin aus Rosen oder war mit Rosen vermischt. Bevorzugt wurden meist weisse Rosen. Aber auch die Apothekerrose und die leibfarbenen Centifolien wurden hierfür genutzt. Bei Beschwerden der inneren Organe und chronischen Krankheiten wurden zum Beispiel folgende Mixtur empfohlen: Man vermische zerstampfte Rosenblätter mit der gleichen Gewichtsmenge Zucker und mit etwas Rosenwasser zu einem Brei, den man dann essen solle. Auch erkannte man bald, dass die Rose entzündungshemmend wirkt. Die Rose hat ja bekanntlich Stacheln zur Abwehr. Sie trägt aber auch die Wirkstoffe in sich, um das verursachte Leid schnell und wirksam zu lindern. Ende des 19. Jahrhunderts verschwand die enorme Vielfalt der Arzneien und ihrer Anwendungsbereiche zunehmend. Volkskundigen Überlieferungen sowie Heilkundigen und Ärzten haben wir es zu verdanken, dass das Wissen um die Wirkung der Rose bewahrt und wieder entdeckt wurde.

 

An die Theorien von Rudolf Steiner anknüpfend, erforschte Rudolf Hauschka in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert die Pflanzen und ihre Wirkungen auf den Menschen. Unter anderem auch die der Rosen. Er entdeckte in ihr kräftigende und harmonisierende Stoffe. Eduard Bach machte sich in England noch zu Lebzeiten von Rudolf Steiner auf die Suche nach heilkräftigen Pflanzen. Er wollte aber nicht wie üblich Heilmittel aus getrockneten Wurzeln und Kraut herstellen, sondern war der Meinung, dass in den Blüten die Erneuerungskraft der Pflanzen besonders konzentriert ist. Auch die Hecken- oder Hundsrose gehört zu Bachs Heilpflanzen.

Er entdeckte in den Blüten der wildwachsenden Hundsrose (Rosa canina), die auch Zaunrose, Hagrose oder Hagdorn genannt wird, ein Heilmittel für alle, die offenbar grundlos gegenüber Allem gleichgültig werden, seelisch resignieren und teilnahmslos durchs Leben gehen. Der sensitive Arzt nahm an den Schwingungen der wilden Rosen jene Kräfte wahr, die für solche Seelen neue Lebensfreude, Zuversicht für die Zukunft und Interesse am Dasein erwecken. Sie lernen Schicksalsschläge anzunehmen und als positive Hinweise zu werten, an denen man wachsen und reifen kann.

In islamischen Ländern ist das aus Rosen gewonnene Rosenwasser der ersten Destillation, dem Hydrolat, wohlverstanden ohne irgendwelche Zusätze, bis heute nicht mehr aus dem Medizinschrank wegzudenken und wird seit je her bei Schürfwunden, Verbrennungen, Schnittwunden, Pilzkrankheiten und Ekzemen erfolgreich eingesetzt. Heute ist wissenschaftlich belegt, dass echtes ätherisches Rosenöl einen positiven Einfluss auf Herz und Kreislauf, aber auch auf Magen, Darm sowie auf die Haut ausübt.
Ihre positive und entspannende Wirkung hilft bei Stress, Ängsten und Depressionen und übt somit einen günstigen Einfluss auf unser seelisches Gleichgewicht aus.

Die Aromatherapie wird als ganzheitlich wirksame Komplementärmethode bezeichnet. Kostbare Pflanzenessenzen wirken in Form von Aromamassagen, Bädern und Wickeln, körperlich über die Haut und beeinflussen uns psychisch direkt über den Geruchsinn durch gezielt und individuell ausgesuchte ätherische Öle. Sie hilft uns, das innere Gleichgewicht zu finden und stärkt so unsere Selbstheilungskräfte. - Düfte für Körper, Geist und Seele. Hier wird dem Rosenöl eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Sein Duft wirkt harmonisierend, ausgleichend und tröstend bei Traurigkeit und Sorgen. Rosenöl ist eines der wenigen ätherischen Öle, das für Massagen direkt auf die Haut aufgetragen werden kann. Der so freigesetzte Duft spielt eine wesentliche Rolle bei ganzheitlichen Behandlungsformen. Besonders an Wendepunkten in unserem Leben können die ätherischen Öle der Rose positiv auf unsere Psyche wirken.

Rosa centifolia
Rosa centifolia
 

Bei Depressionen in den Wechseljahren kann ein Bad mit einigen Tropfen in ein wenig Kaffeerahm angemachtem ätherischen Rosenöl die Lebensgeister wieder wecken. Bei unruhigen und gereizten Babys wirkt eine wohltuende Ganzkörpermassage mit Mandelöl (100 ml), dem einige Tropfen ätherisches Rosenöl beigesetzt werden, entspannend und beruhigend. Zum Schluss noch ein einfaches und dennoch hervorragendes Hausmittel bei Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen: Man nehme Rosenessig 1:10 mit Wasser verdünnt und spüle damit mehrmals täglich seinen Mund.

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