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Rosen in der Heraldik


Brigitte Buser

Schon bei den altorientalischen Völkern, aber auch den Römern, Germanen und Arabern waren Fahnen als Kampf-, Sieges- sowie Herrschaftssymbole bekannt. Im europäischen Raum wurden bereits zur Zeit der griechischen Antike bemalte Schilder als Schutz im Kampf verwendet. Die Heraldik darf jedoch als eine gemeinsame, fast gleichzeitige Schöpfung des gesamten christlichen Abendlandes bezeichnet werden. Hier handelt es sich um erbliche oder bleibende farbige Abzeichen, die auf das mittelalterliche Bewaffnungswesen zurückgehen.

Die Wappenbeschreibung besteht aus klar definierten Regeln in der Reihenfolge von Schild, Oberwappen, Helm, Helmzier, Helmdecken usw. Wichtigster Teil des Wappens ist jedoch der Schild, der die farbige Schildfigur trägt. In der Zeit der sieben Kreuzzüge, die zwischen dem ausgehenden 11. und 13. Jahrhundert stattfanden und bei denen es um die Befreiung der heiligen Stätten von der islamischen Herrschaft ging, trugen die Krieger oft eiserne Rüstungen mit geschlossenen Helmen und waren deshalb von Freund oder Feind kaum mehr zu unterscheiden. Die Notwendigkeit einer Kennzeichnung der einzelnen Heerestruppen drängte sich auf, wobei farbige Wappen verwendet wurden, bei denen der Bildträger hauptsächlich der Schild war.


Rosa gallica var. 'Officinalis'
Rosa gallica var. 'Officinalis'
 

Bald darauf entstanden Staats-, Handwerker- und Zunftwappen. Noch älter als die Wappen sind die Hauszeichen oder Hausmarken. Es gehörte zur Sitte, sein Eigentum mit bildlichen Kennzeichen zu versehen. Seit dem Hochmittelalter waren Wappen bei der Ritterschaft des gesamten westlichen Abendlandes in Gebrauch, welche dauerhaft auf Waffen und als persönliches Siegel verwendet wurden. Sie bezeugten auch das Recht zum Besitz von Waffen und waren somit auch ein Privileg. Mit der Erfindung des Schiesspulvers im 14. Jahrhundert, das eine Änderung der Kriegstechnik zur Folge hatte, verlor das Wappen zwar seine ursprüngliche Bedeutung, wurde aber zum bleibenden Symbol von Adels- und Bürgerfamilien sowie von Kirchenführern und Städten.

Rosa x alba 'Semiplena'
Rosa x alba 'Semiplena'

Der Sammelbegriff Heraldik, welcher seit dem 15. Jahrhundert in Gebrauch ist, leitet sich von Herold ab. Dies waren von Fürsten und Institutionen berufene Wappenkundige im ritterlichen Kriegs- und Turnierwesen. Herolde und Kanzleien waren es auch, die Wappenverzeichnisse sowie fest umrissene heraldische Regeln erstellten. Wappensammlungen sind in der Schweiz besonders zahlreich vertreten. Zu der ältesten gehört die Wappenrolle von Zürich aus dem Jahre 1340. Nebst Löwe, Adler, Eber und Stier, die bereits in vorheraldischer Zeit als Schutz-, Schreck- und Abwehrsymbole galten, wurden auch Fabeltiere wie Drache, Lindwurm und Panther gerne als heraldische Bildmotive verwendet. In der hochmittelalterlichen Zeit verkörperten sie Macht, Herrschaft, Würde, Ansehen, Mut und Stärke, die als Ideale aller Freien galten. Auch waren Bildmotive mit religiösem Sinngehalt wie Kreuz, Schwert und Rad, aber auch Pflanzen wie Lilie, Eiche und die Rose vertreten, welche zu den bevorzugten Motiven auf den Schildern (Schildfiguren) der germanischen Völker gehörten. Zusammen mit der Lilie, die als Blütenornament schon in frühchristlicher Zeit aus dem Orient ins westliche Abendland gelangte und seit 1170 als 'fleurs de lis' das Banner der Bourbonen ziert, gehörte die Rose zu den am häufigsten verwendeten Wappenblumen. Von Alters her galt die 'königliche' Rose als Sinnbild des Glücks, der echten Lebensfreude und der Liebe. Schon zu Zeiten der Troubadoure, den Dichtersängern des 12. und 13. Jahrhunderts, wurde sie liebevoll besungen, und den Turniersiegern winkte ein Rosenkränzchen.

 

Später wurde die weisse Rose zum Symbol der Verschwiegenheit. Deshalb findet man sie zuweilen in Ratshäusern, wie auch auf Gewölbeschlusssteinen. Die lateinische Redensart "Sub rosa dictum" = "Unter einer Rose verborgen" entstand aus dem gehobenen Humanistendeutsch und kündet an, dass das Folgende vertraulich behandelt werden solle. Das eigentliche Vorbild der heraldischen Rose ist die Wild-, auch Heckenrose. Link auf einheimische Wildrosen Fünf gleichgrosse Blütenblätter, getrennt durch markante, spitze Kelchblätter, sind regelmässig um das Mittelstück, den Butzen (Samenkapseln), gruppiert. Verbindet man die Kelchblätter der stilisierten Wildrose miteinander, so entsteht das Pentagramm, auch Drudenfuss genannt, das im Altertum als mystisch-magisches Zeichen gegen vielerlei Unheil verwendet wurde. Seltener sind Rosen mit vier, sechs oder gar acht Blütenblättern dargestellt, die offensichtlich mit einer Zahlensymbolik verbunden sind. Zur beliebtesten Rosenwappenfarbe gehört Rot. Weitere Farben sind Gold und Silber.

 

Oft sind die Butzen und Kelchblätter von der Hauptfarbe abgesetzt. Gestielte Rosen tragen auf ihren mit einem oder zwei Blättern besetzten Stängeln meistens eine Blüte. Auch stilisierte Rosenstauden oder Rosenzweige sind schon seit frühester Zeit bekannt. Zu der wohl bekanntesten Wappenrose gehört sicherlich die Tudorrose. Hier handelt es sich eigentlich um zwei Rosen. Nämlich Rosa gallica 'Officinalis' für das Hause Lancaster und vermutlich Rosa alba 'Semiplena' für das Hause York. Beide Adelshäuser kämpften im sogenannten Rosenkrieg achtzig lange Jahre um Englands Thron. Beendet wurde dieser Krieg 1486 durch die Heirat von Heinrich von Richmond aus dem Hause Lancaster-Tudor mit Elisabeth von York.


Rosenwappen in der Schweiz


Von den 2726 Gemeinden der Schweiz führen rund hundert eine oder auch mehrere Rosen in ihrem Wappen, von denen viele ihren Ursprung in der Anfangszeit der Heraldik haben. Zu der wohl bekanntesten Gemeinde gehört Rapperswil, auf deren Wappen zwei rote Rosen mit roten Kelchzipfeln, goldenen Butzen und roten, geraden spiegelbildlich gezeichneten Stielen auf silbernem Grund dargestellt sind. Nebst dem ehemaligen Stadtwappen von Estavayer, das eine rote, goldbeputzte Rose auf silbernem Grund zeigt, gehört das Wappen von Rapperswil zu den ältesten Ortswappen der Schweiz. Bei welchem es sich nun wirklich um das Ältere handelt, ist jedoch bis heute noch nicht eindeutig geklärt.

 

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