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Die Rose in der Religion


Brigitte Buser

So besang vor 2600 Jahren die griechische Lyrikerin Sappho die Rose. Weit vor dieser Zeit und bis heute haben Rosen die Menschen während ihrer Entwicklungs- und Kulturgeschichte begleitet. Im Laufe der letzten beiden Jahrtausende schwankte jedoch ihre Beliebtheit, besonders in der christlichen Religion. Sie war trotzdem immer präsent und durfte durch uns Menschen eine unvergleichliche Entwicklung erfahren.


Die Hunds- oder Heckenrose

wurde ehemals Freya, der nordgermanische Göttin der Fruchtbarkeit, Frigga, der germanischen Göttin der Fruchtbarkeit und Liebe, sowie der mildtätigen aber auch unholden Todesgöttin Holda, die auch Mutter Rose genannt wurde, zugeordnet. Am Niederrhein wird die Hundsrose noch heute Friggas Dorn und in Ostpreussen Mariendorn oder Frauenrose genannt. Frigga wie Maria verkörpern den Inbegriff der höchsten Weiblichkeit. Ursprünglich bildete aber Ägypten den Ausgangspunkt für eine Steigerung des Rosenkults, der in Rom unglaubliche Ausmasse annahm.

Die Rose als Symbol in der christlichen Religion
Die Rose als Symbol in der christlichen Religion
 
Fenster mit Rosette über dem Hauptportal des Basler Münster
Fenster mit Rosette über dem Hauptportal des Basler Münster

Ursprünglich bildete aber Ägypten den Ausgangspunkt für eine Steigerung des Rosenkults, der in Rom unglaubliche Ausmasse annahm. Die Römer räumten der Rose eine besonders grosse Bedeutung als Aphrodisiakum ein. Ihr Duft betört die Sinne und wirkt anregend. Rosenkränze bestanden aus aufgefädelten Rosenblättern und wurden als Orden für kriegerische Heldentaten vergeben. Vom wüsten Treiben der Römer, welche die "Blume des Exzesses" zudem der Venus weihten, wandten sich die Christen der damaligen Zeit mit Abscheu ab und verwarfen unter vielem Anderem auch den Rosenkult. Es galt als Sünde, Gräber mit Rosen zu schmücken und sich mit Rosen zu bekränzen, hatte doch Jesus am Kreuze eine Dornenkrone getragen. Doch bereits im 4. Jahrhundert wurde in Äthiopie Rosa richardii, eine Arthybride aus R. gallica und R. phoenicia in den christlichen Gebieten der Provinz Tigre in der Nähe von Kirchen angepflanzt. Von daher erhielt sie auch den Namen Rosa sancta, die heilige Rose. Mit dem Erblühen des Marienkults im 11. Jahrhundert änderte sich jedoch diese Auffassung zunehmend. Symbolisierte der Rosendorn doch das Leid Christi, so wurde die Blüte der Rose durch die Auferstehung Christi ins Himmelreich alsbald zur Blume des Paradieses erklärt.

 

Durch diese Auffassung kam die geheimnisvolle Rose, die von den Römern nicht nur der Göttin der Liebe geweiht wurde, sondern auch Kybele, einer Göttin, die in Phrygien (Kleinasien) und später in Rom verehrt wurde, wieder zu Ehren und erhielt im Christentum nebst Lilie und Myrthe eine bedeutende Stellung und kehrte in einem Siegeszug in Kirchen und Sakralkunst zurück.

In der christlichen Symbolik verkörpert die rote Rose das Blut Christi und somit die himmlische Liebe. Die kirchliche Ikonographie erkor "die Königin der Blumen" zum Symbol der Jungfräulichkeit durch Maria. Im Mittelalter war nur Jungfrauen das Tragen von Rosenkränzen gestattet. Einer Legende nach flocht einst der Erzengel Gabriel aus hundertfünfundsechzig himmlischen Rosen drei Kränze für die Heilige Maria. Einen Weissen für ihre Freuden, einen Roten für ihre Schmerzen und einen Goldenen für ihre Glorien. Die Anzahl entspricht dem grossen Rosenkranz. Als Hilfe dient eine "Gebetsschnur", die aus hundertfünfundsechzig aneinander gereihten Perlen besteht und hauptsächlich von Katholiken dazu verwendet wird, um die Reihenfolge des Gebetsrituals zu automatisieren. Nach zehn kleinen Perlen folgt eine grössere, das heisst, nach dem jeweils zehnten "Ave Maria" folgt ein "Vater Unser". Das Wort "Rosenkranz" dürfte aus dem mittellateinischen Wort "rosarium" abgeleitet sein und gelangte erst im 15. Jahrhundert in die deutsche Sprache. Mit "rosarium" bezeichnete man "Rosengirlanden", welche zum Bekränzen von Marienbildern verwendet wurden.

Steinmetzkunst am Martinsturm des Basler Münsters
Steinmetzkunst am Martinsturm des Basler Münsters
 
Steinmetzkunst an der Herrgottskirche in Creglingen
Steinmetzkunst an der Herrgottskirche in Creglingen

Maria wurde auch gerne im Rosenhag dargestellt, nicht nur von weissen, sondern auch von roten Rosen umgeben. Die Rose wurde somit zum Symbol der Reinheit, Jungfräulichkeit, Mutterschaft, Wiedergeburt sowie Fruchtbarkeit und war somit Maria geweiht. Auch sind die herrlich gefertigten Glasfensterrosetten aus gotischen Kathedralen nicht mehr wegzudenken. Hier sollen die strahlenförmig angeordneten Petalen den Rosenblüten nachempfunden sein. Die weisse Rose gilt seit uralten Zeiten als Symbol der Reinheit und Verschwiegenheit. Deshalb findet man sie zuweilen in Rathäusern und in Form von Schnitzkunst an mittelalterlichen Beichtstühlen in christlichen Kirchen. Lateinisch "Sub rosa dictum" = unter einer Rose verborgen. Diese Redensart entstand aus dem gehobenen Humanistendeutsch und kündet an, dass das Folgende vertraulich behandelt werden solle. Die Rose in Verbindung mit dem Kreuz führte zum Symbol der Rosenkreuzer, einer evangelisch-christlichen Geheimgesellschaft, oder eines Ordens, dessen Anfang im 17. Jahrhundert liegt.

 

Auch Martin Luther hat für sein Wappen auf das Symbol der Rose zurückgegriffen, das ein rotes Herz mit schwarzem Kreuz inmitten einer weissen Rose zeigt. In Erinnerung an den alleinseligmachenden Glauben an den Gekreuzigten soll es verdeutlichen, dass der Glaube Freude, Trost und Frieden bringt. Die Rose finden wir auch in christlichen Liedern. Zu den bekanntesten zählen "Es ist ein Ros entsprungen" sowie" Maria durch ein Dornwald ging", die zu den beliebtesten Weinnachtsliedern im deutschen Sprachraum gehören.

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