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Rosen in der Symbolik


Brigitte Buser

Anlässlich meiner 'Tage der offenen Gartentüren' stelle ich immer wieder fest, dass das weibliche und männliche Geschlecht in Sachen Formen und Farben der Rosen zum Teil von recht unterschiedlicher Auffassung zu sein scheint. Bevorzugen erstere mehrheitlich Farben wie Rosa, Lachs, Zartgelb, Creme oder Weiss und stark gefüllte nostalgische Blütenformen, so faszinieren die Mehrheit der männlichen Besucher edelrosengleiche Blüten in intensiven Farbtönen wie Orange und Nuancen von Rot bis Schwarzrot. Beim Anblick des rosenumrankten Pavillons gelangt vornehmlich das weibliche Geschlecht in stummes Entzücken, während das männliche oft nur die Arbeit und die damit verbundenen Ausgaben in den Vordergrund stellen, die solche Bauten mit sich bringen. Nun mal ehrlich, welche Frau hat nicht schon vom Liebesschwur ihres Angebeteten in der rosenumrankten Laube geträumt, und welcher Mann hat nicht schon eine erotische Verführung beabsichtigt, in welcher rote, edelrosengleiche Blüten eine Rolle spielen? Natürlich bin ich mir sicher, dass beide Unterfangen auch im umgekehrten Falle zustande kommen. Die assoziative Verbindung der Rosen mit der Frau und somit auch mit der Leidenschaft ist unbestritten und hat Jahrtausende überdauert.


Guineé
Guineé
 

Die Farbe Rot steht für Aggressivität, Vitalität und Kraft. Sie ist auch die Farbe des Feuers, der Liebe und des Kampfes auf Leben und Tod. Schenkt man uns rote Rosen, so ist die Botschaft eindeutig. Sie gelten auch seit je her als Sinnbild des Blutes und somit der glutvollen Liebe. Auch weisse sowie gelbe Rosen sind in der Liebe vertreten. Die erstere steht für die keusche, jungfräuliche und spirituelle oder himmlische Liebe, letztere für die Eifersucht.

Bianca
Bianca

In der Mythologie war der Ursprung der Blumen immer mit dem Vergiessen von Körpersäften wie Blut, Tränen, Schweiss oder Muttermilch von Göttern oder deren Propheten verbunden, welche die Erde benetzten und so Veilchen, Lilien oder eben die Rosen entstanden. Seit je her wurde die Rosen als eine Gabe der Götter betrachtet und deshalb auch vielen von ihnen geweiht. Sie symbolisiert nicht nur die göttliche Substanz des Opfers, sondern auch das Gute und Schöne, das daraus hervorgegangen ist. In diesem Falle die Liebe in ihrer facettenreichen Art, die von aufopfernder Nächstenliebe, wie sie die heilige Elisabeth von Thüringen vollbrachte, über die göttliche Liebe, bis hin zu der Liebe, die man käuflich erwerben kann. Nicht nur bei uns nimmt die Rose in der Liebes- und Blumensprache eine bedeutende Stellung ein. Schon in der griechischen Mythologie war sie allgegenwärtig. Hier soll die weisse Rose bei der Geburt der Aphrodite entstanden sein, welche Liebe, Schönheit und sinnliche Begierde verkörpert. An dem Ort, an dem die griechische Göttin dem Meer entstieg, wuchs ein Strauch. Der Nektar der Götter gelangte auf diesen, worauf jeder Tropfen zu einer Rose wurde. Andere Überlieferungen besagen, dass die Meeresgischt, die den Körper der Göttin umspülte, zu Rosen wurde. Einer weiteren Überlieferung nach sollen aus den Tränen, die Aphrodite beim Tode ihres Geliebten Adonis vergoss, weisse Rosen entstanden sein.

 

Weiter wäre da noch die Aussage, in der sich die Göttin an den Stacheln der weissen Rosen verletzte, die Adonis umgaben, und so die roten Rosen entstanden. Auch wurde die Rose Eros dem griechischen Gott der Liebe zugeordnet. Der Mythos der römischen Liebesgöttin Venus ist ebenfalls mit der Rose verwoben. Sandro Botticelli streute um 1485 Rosen vom Himmel auf seinem Gemälde 'Die Geburt der Venus', zu bewundern in den Uffizien von Florenz. Der Anblick der Rose in Kombination mit ihrem berauschende Duft wurde bei den Römern als Aphrodisiakum benutzt, die einen wahren Kultus um die Rose vom Zaun brachen. Da ihr Duft bekanntlich anregend wirkt und die Sinne betört, war es dann auch nicht mehr weit bis zur käuflichen Liebe. Als Dank für gute Geschäfte legten die Prostituierten Geschenke bei den Standbildern der Venus nieder. Noch im vorletzten Jahrhundert wurden Bordelle auch Rosenhäuser und Prostituierte gerne Rosengässlerinnen genannt. Vom wüsten Treiben der Römer, welche die "Blume des Exzesses" und ihre erotische Symbolik geradezu dekadent auslebten, wandten sich die Christen der damaligen Zeit mit Abscheu ab und verwarfen unter vielem Anderem auch den Rosenkult.

Mit dem Beginn des Marienkultes im 11. Jahrhundert wandelte sich die Blume der irdischen Liebe zum Symbol der Gottesmutter Maria und verkörperte so die himmlische Liebe. Anfänglich waren hier rote und weisse Rose vertreten. Die weisse wandelte sich jedoch im Laufe der Zeit mehr und mehr zum Sinnbild der Reinheit und Jungfräulichkeit. Wie wir alle wissen, zeigen Rosen nebst ihren wunderbaren Blüten auch Stacheln. Gerade diese beiden Gegensätze vergegenwärtigen uns nicht nur die reine Liebe, sondern auch der damit verbundenen Liebesschmerz. Das Märchen Dornröschen ist hier ein wahres Musterbeispiel, auch wenn es uns unrealistisch erscheint, widerspiegelt es doch eine klare Realität.

Wer kennt nicht das Gedicht vom Heidenröslein von Goethe, in dem das Röslein ein Mädchen symbolisiert, welches vom Knaben gebrochen wurde, was immer auch dies bedeuten mag. Im hohen Mittelalter wurde in Frankreich der Versroman 'Roman de la Rose ' geschrieben, die berühmteste Liebesgeschichte zu jener Zeit. Sie gilt als zentrales Werk der erotischen französischen Kultur, in der die Rose im Zentrum steht.

Rosa canina
Rosa canina
 

Zahlreiche Liebesorakel wurden mit der Rose vollzogen. Wahrsagerinnen halfen liebeskranken Mädchen mit Zaubertränken, meist mit Riten verbunden, in denen die Rose ein Bestandteil war. Auch liessen Jungfrau und Jüngling Rosenblütenblätter wie Schiffchen auf dem Wasser treiben. Schwammen sie aufeinander zu, wurden sie Verlobte und hielten sich für immer die Treue. Trieben sie voneinander weg, so war die Trennung absehbar. Wuchs aus einer Rosenblüte ein Blatt oder eine weitere Blüte (Prolifikation), so war im nächsten Jahr eine Braut im Haus. All die Jahrhunderte hindurch haben sich die Rosen als Sinnbild der Liebe im Gedankengut von uns Menschen manifestiert. Sie steht für die vielfältigsten Formen, und alles was mit ihr verbunden ist wie Leidenschaft, Lockung, Sinnlichkeit, Erotik, Reinheit, Tugend, Keuschheit, Heiligkeit aber auch Mildtätigkeit und Frieden. Sie ist uns nicht nur im Leben allgegenwärtig, sondern steht nebst der Lilie auch für die Vergänglichkeit und das Sterben sowie die Verbundenheit weit über den Tod hinaus

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